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‘Rote Liste’ für Inquits (Teil 2)

Inquits, aber richtig

Im ersten Teil: Inquits sollten auf die Rote bzw. Grüne Liste – am besten bei »sehr selten gesichtet«.
Manchmal sind sie aber nicht zu vermeiden, und dann sollten sie richtig gesetzt und interpunktiert werden.

Drei Formen gibt es, die in Sachen Interpunktion unterschiedlich gehandhabt werden:

  1. nachfolgende Inquits
  2. mittige Inquits
  3. vorangestellte Inquits

Am häufigsten ist das nachfolgende Inquit, es macht mehr als Zweidrittel aller Vorkommen aus (hat mal jemand gezählt). In der einfachsten Form also:
»Ich komme später«, sagte sie.
Anführungszeichen stehen am Anfang und am Ende der wörtlichen Rede. Inquits in dieser Form werden mit einem Komma abgetrennt.
Immer.
Es steht kein Punkt am Ende der wörtlichen Rede innerhalb der Anführungszeichen.
Nie.

Wenn gerufen oder gefragt wird, steht das Ausrufezeichen oder das Fragezeichen innerhalb der Anführungszeichen, und es folgt trotzdem ein Komma.
Immer.
»Ich kann jetzt nicht!«, rief sie.
»Kommst du morgen?«, fragte er.

Das sind allerdings beides Fälle, in denen gut analysiert werden sollte, ob diese Inquits überflüssig sind, denn die Satzzeichen zeigen ja schon an, dass gerufen oder gefragt wird. Diese Inquits wiederholen also nur.

Übrigens: Wenn der auf die wörtliche Rede folgende Satz ein eigenständiger, vollständiger Hauptsatz ist, ist er kein Inquit.
Dann, und nur dann, steht der Punkt innerhalb der Anführungszeichen. Ausrufezeichen und Fragezeichen sowieso.
Der nachfolgende Satz muss ein richtiger Satz sein, also mindestens mit den Satzteilen Subjekt und Prädikat, und eventuell einem Objekt oder einer Erweiterung – in der üblichen Satzstellung. Und mit einem Großbuchstaben am Anfang.
»Wann kommst Du?« Er fragte sie das jetzt schon zum zweiten Mal.

Die mittigen Inquits machen etwas mehr als ein Fünftel aus. Sie sind die Schmuddelkinder, weil sie die wörtliche Rede auseinanderreißen, häufig sogar mit erweiterten Inquits. Das kann dazu führen, dass ich schon vergessen habe, was anfangs gesagt wurde, wenn es endlich weitergeht.
Mittige Inquits sind häufig ein Fall für die Rote Liste – umformulieren oder weglassen.
»Weißt du noch, vorletztes Jahr Ende April«, sagte sie und sah träumerisch aus dem Fenster, »war es so kalt, dass die Apfelblüten erfroren sind.«

Vorangestellte Inquits sind nicht so häufig anzutreffen. Sie sind laut, halten ein Stoppzeichen hoch und wollen Aufmerksamkeit. Mit Gewalt. Auf mich wirken sie oft etwas ungelenk.
Sie zog die Augenbrauen hoch und sagte spitz: »Das hätte ich jetzt nicht erwartet.«
Die Hausmutter schrie: »Jetzt kommt alle her! Sofort!«

Dies ist der einzige Fall, in dem die wörtliche Rede nicht mit einer neuen Zeile oder einem neuen Absatz anfangen muss – einen Absatz mit einem Doppelpunkt abzuschließen, ist ›unfein‹.
Ansonsten gilt: bei Sprecherwechsel, also Start einer wörtlichen Rede, immer neuen Absatz setzen.

Meine Quintessenz: Der Dialog selbst soll sprechen.

Wenn ich zu viel erklären muss und dafür Inquit-Söldner engagiere, wirkt der Text schnell überladen und schwerfällig. Mein Bild vor Augen ist dabei ein Tross, der einer kompakten Armee kilometerweit auseinandergezogen nachfolgt.

Geboren in Frankfurt am Main, aufgewachsen auf'm Dorf, zuerst in Schleswig-Holstein, dann im Hochtaunus, wo ich auch heute wieder lebe und arbeite. Meine Cosy Krimis spielen genau hier. Drei gibt es schon, der vierte ist am Werden (Sept. 2020).

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