Shortstories

Mietsache

Alles alte Klamotten, ein moderiger Geruch, die Garderobe ebenso verschlissen wie der Anorak am Haken. Selbst der Regenschirm in der Ecke hatte schon bessere Tage gesehen. Licht im Abstellraum? Fehlanzeige. Vielleicht war es gut so, denn die Tür ließ sich nur halb öffnen.

«Wegen der roten Flecken an der Wand müssen Sie sich keine Sorgen machen. Das ist nur Soße. Und wegen tapezieren: Sie können das Flürchen ja auch einfach überstreichen.»
«Wie hoch soll die Miete denn sein?»
«Wegen der Miete, na ja. Wenn man die Umstände bedenkt. Wir könnten auch später darüber reden. Wegen der ganzen Umstände, meine ich.»

Ein gepflegtes Badezimmer. Immerhin. Doch selbst hier roch es muffig. Ohne erkennbaren Grund. Die Tür zum Schlafzimmer stand offen. Eine Hälfte des Ehebettes war benutzt, die andere sah aus wie ein Ausstellungsstück im Möbelhaus. Ein Pantoffel lag vor dem Kleiderschrank, der andere fehlte.
«Er hat ihn verloren.»
«Wie bitte?»
«Bei den ganzen Umständen hat er den Pantoffel einfach verloren.»

Auf dem Wohnzimmertisch stapelten sich Briefe, daneben alte Zeitungen, ein Bleistift, zahlreiche Zettel und Unmengen von kleinen, grauen Würmchen, offensichtlich die Reste einer ausgiebigen Radieraktion.

«Darf ich Sie was fragen?»
«Ich hab doch gesagt, wegen der Umstände, dass wir da später drüber reden. Sehen Sie sich doch erst noch die Küche an. Die ist neu, die hat der nicht einmal benutzt. Die wäre auch dabei.»
«Was ist passiert? Es geht doch keiner weg als wäre er zum Einkaufen und kommt dann nie mehr wieder.»
«Sie sagen das so. Zum Arzt ist der gegangen, nicht zum Einkaufen.»
«Und was ist mit seinen Sachen?»
«Die konnte er schlecht mit ins Grab nehmen.»

Bildquellen

  • Buchnachteule Mietsache: Bildrechte beim Autor

Ich bin 55 Jahre alt. Katzen-(dressur), Pferde, Motorräder, Musik, Garten, Australien ... meine Interessen sind vielseitig. Die Begeisterung für Sprache hatte sich schon im Vorschulalter eingestellt. Stolze Eltern, gute Noten in Deutsch und Englisch. Abitur, Lehre, Job - So weit, so gut. Und dann der Geburtstagswunsch meines langjährigen Partners und heutigen Ehemannes: Ein Buch! Sein Wunsch war mir Befehl. Seitdem höre ich auf meine Protagonisten ... Absurd, aber wahr.

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