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Doppelt gemoppelt – das kunstvolle Blabla

Oder auch: das Geheimnis, warum doppelt eben nicht in jedem Fall besser hält.

Ein Tag wie jeder andere. Rentner Heinz P. schleicht im Schneckentempo mit seinem Kleinwagen die Straße entlang, als ein Pulk von Rasern in viel zu hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeibrettert. Was wie ein lästiges Ärgernis klingt, ist für den alten Herrn jedoch viel mehr als nur eine unwichtige Bagatelle.
»Meiner persönlichen Meinung nach wird das nochmal in einer furchtbaren Katastrophe enden«, prophezeit er jedes Mal. »Die Jugend von heute, da ist der Ärger doch schon vorprogrammiert!«

Was ist an diesem Absatz verkehrt? Man versteht sofort, worum es geht, es ist zwar kein literarisches Highlight, aber auch nicht restlos schlecht formuliert.
Dafür strotzt er vor Pleonasmen, teilweise sogar solchen, die man nicht auf den ersten Blick erkennt – und die sind hier das Problem.

Pleonasmen?
Laut Wikipedia ist ein Pleonasmus (griechisch: Überfluss, Übertreibung, Vergrößerung) in der Erzählung eine rhetorische Figur; sie ist gekennzeichnet durch Wortreichtum ohne Informationsgewinn. Also Wendungen wie süßer Zuckerguss, verfallene Ruine oder schwarzer Rabe. Oder eben ganz klassisch doppelt gemoppelt.

Pleonasmen können als rhetorische Kunstgriffe eingesetzt werden, beispielsweise um die Bedeutung einer Sache noch einmal extra herauszustreichen.
So ist Schneewittchens kohlpechrabenschwarzes Haar eben noch viel schwärzer als normales Schwarz.
Wie bei allen Stilmitteln gilt auch hier: Sparsam verwenden!

Wesentlich häufiger dürften jedoch die Pleonasmen sein, die aus Unwissenheit verwendet werden, vor allem, weil jeder sie benutzt, nicht weiter darüber nachdenkt und sich viele von ihnen längst in unserem Wortschatz etabliert haben.
Deswegen ist es nicht verkehrt, wenn man sich von Zeit zu Zeit mal anschaut, was man da eigentlich zu Papier bringt – und was es tatsächlich aussagt.

Im obigen Beispiel habe ich so einige Doppel-Moppler eingebaut:

  • er schleicht im Schneckentempo.
    Wie auch sonst, kann man im Eiltempo schleichen?
  • … als ein Pulk von Rasern in viel zu hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeibrettert.
    Was kennzeichnet einen Raser? Genau, er brettert mit hoher, meist zu hoher Geschwindigkeit durch die Landschaft.
  • ein lästiges Ärgernis
    Sehr beliebter Ausdruck. Ist euch schonmal ein angenehmes oder willkommenes Ärgernis begegnet? Natürlich nicht, Ärgernisse sind immer lästig.
  • unwichtige Bagatelle
    Sowas passiert, wenn man die Bedeutung seiner Fremdwörter nicht wirklich kennt. Bagatelle = Belanglosigkeit, Lappalie, Nichtigkeit etc. also etwas Unwichtiges.
  • Meiner persönlichen Meinung nach
    Meinungen sind immer persönlich, anderenfalls wären es Fakten.
  • einer furchtbaren Katastrophe
    Gibts auch wunderbare, herrliche, großartige Katastrophen?
  • vorprogrammiert
    Etwas programmiert wird immer vorher, damit es sich auswirken kann. Nachprogrammiert gibts nicht.

So richtig trickreich sind die Pleonasmen, die aus unserer alltäglichen Sprache nicht mehr wegzudenken sind. Irgendwer hat mit diesen Wendungen mal angefangen, sie haben sich ausgebreitet und werden von jedem verwendet. Also hält sie jeder für richtig, sind sie streng genommen aber nicht.

Ein wundervolles Beispiel dafür wäre die nicht totzukriegende ‘andere Alternative’. Peinlich, dass Alternative nichts anderes bedeutet als ‘andere Möglichkeit’. Oder die harmlose Frage, ob man zu Fuß dahin gehen kann. Nee, ich gehe natürlich mit dem Auto.
Das wäre dann ein dringender Notfall. Gibts auch welche, bei denen man sich Zeit lassen kann? Und wer hat mal so schön unsere Staatsform als Volksdemokratie bezeichnet?

Und so weiter, es gibt da eine Menge Beispiele. Auf jeden Fall ist es ‘lohnenswert’ sich das mal ein bisschen näher anzuschauen ;).

P.S: Zu meiner Schande habe ich in meinem neuen Buch gerade ein ‘er schlenderte gemächlich‘ entdeckt. Sehr peinlich, das hätte mir wenigstens bei einem der zahllosen Korrekturdurchgänge auffallen sollen.

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