Persönliches

Früher war alles besser

Wirklich? Ach was, totaler Schwachsinn, glaubts bloß nicht, wenn das wer behauptet. Ok, die Umwelt war sauberer, das Essen steckte nicht voller Chemie, die Musik war besser und die Erde platzte bevölkerungsmäßig noch nicht aus allen Nähten. Aber sonst?

Schreiben war mühsam

Dafür waren eine ganze Menge Dinge ziemlich mühsam, wenn man sichs genauer überlegt, sogar die meisten. Das betrifft natürlich auch die Schreiberei.
Laptop? Desktop PC mit ergonomischer Tastatur? Gabs schlicht und einfach noch nicht. Notiz-App auf dem Smartphone? Das hatte nicht mal Captain Kirk von Star Trek, was damals bei uns noch Raumschiff Enterprise hieß.

Geschrieben wurde per Hand. Alles, vom Einkaufszettel bis zum Hausaufsatz. Erst wenns wirklich wichtig war, oder die eigene ‘Sauklaue’ für jeden potenziellen Leser eine Zumutung darstellte, kam die Technik zum Einsatz. Dabei handelte es sich um einen kompakten Klumpen, bestehend aus einem Mix aus Metall und Bakelit mit entsprechendem Gewicht. Das Ganze nannte sich Schreibmaschine, und wenn man wusste, wie man damit umzugehen hatte, war es eine echt tolle Sache.

So habe ich meine allererste Geschichte auf so einem Teil abgetippt, wofür ich eine gute Woche gebraucht hatte. Die Story vom Frosch, der kein Prinz sein wollte, war stolze drei Seiten stark – und ich gerade zehn Jahre alt.

In den folgenden Jahren wurde die Schreibmaschine ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben, schon alleine, weil ich eine fürchterliche Handschrift hatte (und immer noch habe). Aber ihr glaubt gar nicht, was mit dem Teil so alles schiefgehen konnte.
Von Farbband alle und kein frisches im Haus, verschmutzten oder klemmenden Typen, schief eingezogenem Papier bis hin zu Kohlepapier, was alles einsaut, nichts, was man da nicht erlebt hätte.

schreibst du schon oder korrigierst du noch?

Und dann erst die Tippfehler.
Wenn es wirklich ordentlich geschrieben sein musste, reichte ein einziger, und man konnte die Seite komplett neu tippen. Besonders witzig, wenn das in der vorletzten Zeile passierte.
Später gab es das berühmte Tipp Ex, zunächst in Blättchenform. Das bedeutete, zurück an die Stelle mit dem Fehler, Blättchen auflegen, den falschen Buchstaben nochmal tippen und dann auf die entstandene weiße Fläche den richtigen drübertippen.
Klingt mühsam? Ja, war es auch. Noch blöder war allerdings, dass das weiße Pulver auf den Blättchen nicht immer perfekt abgedeckt hat, und so richtig übel wurde es, wenn man mehrer Zeilen zurücknavigieren musste. Es erforderte dann schon besondere Geschicklichkeit und Glück, den Wagen genau an die richtige Stelle zu bekommen. Sehr gerne lag man dann nämlich den Bruchteil eines Millimeters daneben, nicht viel, aber ausreichend, dass sich der Fehler nicht mehr völlig unsichtbar machen ließ. So Sachen wie Microspacing? Jö, was das denn?
Doch auch die flüssige Form des Tipp Ex hatte ihre Tücken. Man durfte nämlich auf keinen Fall zu früh wieder drübertippen, anderenfalls hatte man das Zeug im Typen kleben. Und es sah eigentlich immer irgendwie scheiße aus, so wie ein schlecht verwendeter Abdeckstift.

endlich elektrisch!

Was waren das für herrliche Zeiten, als ich mir dann endlich eine elektrische Schreibmaschine zulegen konnte. Die hatte unter anderem ein integriertes Korrekturband, und die Trefferquote beim rückwärts Navigieren lag erstaunlich hoch.
Eine ziemliche Umgewöhnung von der mechanischen war es trotzdem, statt wie bisher kräftig anzuschlagen, durfte man jetzt die Tasten nur noch leich antippen. Ich weiß nicht, wie oft mir anfangs dann ein Buchstabe bis ans Zeilenende durchgerast ist: Fehlerrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.
Auch mit Korrekturband war das nicht lustig zu reparieren.

Sci-Fi für alle

Doch die Evolution war nicht aufzuhalten und die ersten PCs hielten Einzug in die ersten Privathaushalte. Zuerst lief das Ganze noch unter DOS, schwarzer Bildschirm mit hässlich neongrüner Schrift, und der blinkende Cursor konnte einen in den Wahnsinn treiben. Aber hey, was für ein Fortschritt!
Ich hatte damit meine Facharbeit für LK Deutsch geschrieben und immerhin drei (!!!) verschiedene Schriftarten zur Auswahl gehabt. Bilder, Tabellen und all sowas musste ich trotzdem noch von Hand ausschneiden und einkleben.

Richtig komfortabel wurde die Schreiberei aber erst, als die Windows-Rechner zu erschwinglichen Preisen auf den Markt kamen, vor allem ein Programm war eine regelrechte Revolution: das gute, alte WORD.
Tippfehler waren plötzlich kein Thema mehr, von all den anderen tollen Möglichkeiten ganz zu schweigen. das Paradies für alle Vielschreiber, vorläufig zumindest.

Der Luxus eines Autorenschreibprogramms

Doch auch damit war das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Heutzutage gibt es spezielle Autorenprogramme für die unterschiedlichsten Bedürfnisse, die kaum noch Wünsche offenlassen. Integrierte Duden-Korrektur, Stilanalyse, Zeitstrahl, Datenbanken, Notizbrett und vieles mehr, man bekommt wirklich alles, damit man sich voll auf seine Texte konzentrieren kann.
Die Auswahl an solchen Programmen wird ständig größer, es lohnt sich durchaus, dass man sich da verschiedene anschaut und sich das passendste aussucht.

Ich habe mit ‘Papyrus’ mein Lieblingsschreibprogramm gefunden, aber das ist eine andere Geschichte.

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